Inhalt

EinleitungFür eine interkulturell offene Kommunalverwaltung ist eine deutlich stärkere Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern unverzichtbar. Die Zusammenarbeit zwischen hauptamtlichen und ehrenamtlichen Strukturen ist hierfür ein gutes Beispiel. Um dem Anspruch einer beteiligungsorientierten Verwaltung gerecht zu werden, müssen sowohl der Wissenstransfer zwischen Haupt-und Ehrenamt im Bereich Integrationsarbeit als auch die Interkulturelle Kompetenz im Ehrenamt gestärkt werden.
Beide Apekte tragen dazu bei, auf gegenwärtige gesellschaftliche Herausforderungen reagieren zu können.

Im Fokus des Projekts Interkulturelle Orientierung und Öffnung liegt es, mit geeigneten Maßnahmen den angestrebten Öffnungsprozess in den kommunalen Verwaltungen zu begleiten und über fachliche Impulse zu moderieren. An diesen Zielhorizont anschließende Pilotprojekte in ausgewählten Landkreisen und kreisfreien Städten Sachsen-Anhalts zeigen, wie stark die regionalen Schwankungen in den Ausgangslagen und Bedarfen sind. Sie verdeutlichen zugleich, wie abgestimmt und flexibel Unterstützungsmaßnahmen sein müssen, um bedarfsgerecht wirken zu können. Nur so lässt sich langfristig gesehen sicherstellen, dass sie den kommunalen Verwaltungen auch ein wertvolles Instrumentarium zum Aufbau interkultureller Strukturen werden.

Im Herbst 2016 führte das IKOE-Projekt für ehrenamtliche Integrationslotsen in Anhalt-Bitterfeld eine Weiterbildungsreihe durch. Die verabredete Zielstellung lautete: In verschiedenen Austauschformaten die Zusammenarbeit zwischen hauptamtlichen und ehrenamtlichen Strukturen zu thematisieren, um Optimierungsoptionen im Zusammenspiel beider Handlungsbereiche zu konkretisieren.


Netzwerkarbeit Neben fachlichen Inhalten stand die Netzwerkarbeit für Integrationslotsen im Vordergrund. Mit der vorliegenden Ausgabe des Diversity Journal soll interessierten Akteuren ein detaillierterer Einblick in den angestrebten Entwicklungsprozess gegeben werden. Dazu sollen drei Aspekte der Weiterbildungsreihe näher betrachtet werden: (1) die Integrationskoordinator_innen des Landkreises Anhalt-Bitterfeld (2) Steuerungsmaßnahmen und Angebote des IKOE-Projekts als Organisator der Weiterbildungsreihe und (3) ehrenamtliche Integrationslotsen im Landkreis Anhalt-Bitterfeld. Ein Beweggrund die unterschiedlichen Perspektiven zu portraitieren ist es, die unterschiedlichen Motivationen und Erfahrungen zu vergleichen vor dem Hintergrund der zentralen Frage, was eine gelingende Weiterbildungsreihe ausmacht. Die dreischichtige Perspektive beinhaltet zwei Interviews sowie die Ergebnisse einer Diskussion: zum einen mit Frau Stefanie Mürbe (Flüchtlingsrat Sachsen-Anhalt e.V.) und zum anderen mit den Integrationskordinatoren des Landkreises Anhalt-Bitterfeld, Frau Julia Zimmermann und Christin Tessmer.

Zusammenwirken von haupt- und ehrenamtlichen Strukturen
Das Zusammenwirken von haupt- und ehrenamtlichen Strukturen im Jahr 2016 stellt für die Integrationsarbeit der Landkreise in Sachsen-Anhalt sowohl eine enorm wichtige Bereicherung als auch eine neue Herausforderung dar. Hauptamtliche Mitarbeitende in der Verwaltung haben die Aufgabe, gesetzliche Regelungen und kommunale Verordnungen effizient umzusetzen. Eine persönliche Beratung und Begleitung der Ehrenamtlichen durch einzelne kommunale Mitarbeitende ist allein schon aufgrund der hohen Anzahl der zu betreuenden Kund_innen nur schwer möglich. Die kommunale Haushaltssituation verschärft diese Situation zusätzlich. Sprachliche Barrieren bilden eine weitere Herausforderung. Hinzu kommt - im Übrigen wie auch für Mitglieder der Mehrheitsgesellschaft -, dass für viele Geflüchtete und Migrant_innen, darunter Geflüchtete, Geduldete die Vielzahl der unterschiedlichen gesetzlichen Regelungen undurchschaubar ist. Dies spiegelt nur eins von vielen Hindernissen wider, die durch eine immer schnellere Änderung der Gesetzeslage entsteht.

Ein adäquates Mittel
Die mittel- bzw. langfristige Implementierung von ehrenamtlichen Strukturen bildet für viele kommunale Verwaltungen ein adäquates Mittel, diesen Herausforderungen gerecht zu werden. Aus diesen Gründen binden viele kommunale Verwaltungen ehrenamtliche Helfer_innen in ihre Integrationsarbeit ein. Im Gegenzug stellt für viele ehrenamtlichen Helfer_innen die Unterstützung und konkrete Verbesserung der Lebenssituation von Geflüchteten und Zugewanderten die Hauptmotivation für ihr Engagement dar. Jedoch ist die soziale und berufliche Integration von Zugewanderten allein durch die Umsetzung von gesetzlichen Regelungen und Richtlinien nicht zu erreichen. Oft geht es erst einmal darum, erfolgreiche Beziehungsarbeit zu leisten und gegenseitiges Vertrauen aufzubauen, um auf Augenhöhe miteinander kommunizieren zu können. Des Weiteren müssen in der individuellen Begleitung fallbezogene Lösungsstrategien innerhalb des gesetzlichen Rahmens gefunden werden. Diese werden dann mit den verantwortlichen kommunalen Akteur_innen erprobt.


Bausteine der Weiterbildungsreihe
Bausteine der Weiterbildungsreihe

Durch die Weiterbildungsreihe für Integrationslots_innen des Projektes IKOE wird unter dem Leitbild einer beteiligungsorientierten Verwaltung eine moderne Personal- und Organisationsentwicklung befördert. Die Kunst hierbei besteht in der richtigen Zusammensetzung von thematisch relevanten Themen, sowie darin ausreichend Raum für Diskussion und Erfahrungsaustausch zwischen den Teilnehmenden zu schaffen.

Im nachfolgenden gibt das Diversity Journal einen Einblick in die Entwicklung der Weiterbildungsreihe. Hierfür sprach das DJ mit einer Referentin der Weiterbildungsreihe, Stefanie Mürbe. Sie ist Projektleiterin der “Landesinfostelle Flucht und Asyl” beim Flüchtlingsrat Sachsen-Anhalt e. V. (FLRSA) und dadurch eine wichtige Akteurin in der lokalen Flüchtlingsarbeit. Stefanie Mürbe klärte in einer Fortbildungsveranstaltung über die rechtlichen Grundlagen der Arbeit mit geflüchteten Menschen auf. Des Weiteren erläuterten die beiden Integrationskoordinator_innen des Landkreises Anhalt-Bitterfeld Julia Zimmermann und Christin Tessmer ihre Motive und Ziele beim Einsatz von Integrationslots_innen, die seit dem 1. September 2016 in der Region aktiv sind. Am Ende der Veranstaltungsreihe werden als Resümee aus der bisherigen Weiterbildung Ideen und Impulse aus Sicht des Projekts IKOE für die weitere Begleitung in 2017 aufgezeigt und thematisiert.


Konzeptionierung Inhaltliche und organisatorische Konzeptionierung der Weiterbildungsreihe

Nach Anfrage durch die verantwortliche Integrationskoordinatorin des Landkreises Anhalt-Bitterfeld Julia Zimmermann im Spätsommer 2016 erfolgte ein erstes Sondierungsgespräch mit der zuständigen Amtsleiterin sowie Projektmitarbeiter_innen des „Netzwerkes Interkulturelle Orientierung/ Öffnung Fortbildungs- und Beratungsservice für Verwaltungen“ (IKOE). Bereits zu diesem Zeitpunkt wurde deutlich, dass im Rahmen des Personal- und Organisationsentwicklungsprozesses das Einbeziehen der Perspektive von Ehrenamtlichen bzw. deren Interessenslage unabdingbar für den Erfolg der Veranstaltungsreihe ist. Zum einen sind viele der ehrenamtlichen Integrationslots_innen in regulären beruflichen Tätigkeitsfeldern eingebunden und können nur zeitlich eingeschränkt Seminare wahrnehmen. Zum anderen verfügen die Mitglieder der Gruppe der Ehrenamtlichen über jeweils sehr unterschiedliche Erfahrungs- und Motivationshintergründe. Diese Aspekte mussten in der inhaltlichen und organisatorischen Planung sowie bei der Konzeptionierung der Weiterbildungsreihe berücksichtigt werden. Im Vorfeld erfolgte eine Bedarfsabfrage zu inhaltlichen Themenwünschen durch die zuständigen Integrationskoordinator_innen. Für das Projekt IKOE spielt der Aspekt der Wissensvermittlung in den Bereichen Flucht & Asyl, Interkulturelle Kompetenz und Rollenverständnis im Ehrenamt eine primäre Rolle.

Durch die Weiterbildung sollten zum Nutzen der kommunalen Verantwortlichen die inhaltlichen Schwerpunkte als Mehrwert für die Integrationsarbeit im Landkreis sichergestellt werden. Integrationskoordinatorin Julia Zimmermann erläutert.


Themenauswahl Neben organisatorischen Absprachen erfolgte somit eine erste Themenauswahl für die geplante Weiterbildungsreihe.

An diese Bedarfslage anknüpfend erstellte das Projektteam IKOE eine Übersicht über inhaltliche Schwerpunkte und Themen der Veranstaltungsreihe. Neben Diana Gardyan, zuständige Leiterin des Amtes für Ausländerangelegenheiten, nahmen die beiden verantwortlichen Integrationskoordinatorinnen Julia Zimmermann und Christin Tessmer teil. Die methodische Herangehensweise der Weiterbildungsreihe wurde mit den beteiligten Kooperationspartner_innen bzw. den kommunalen Verantwortlichen abgestimmt. Man einigte sich hierbei auf die folgenden fünf Schwerpunkte:

  1. Auftaktveranstaltung mit erstem Erfahrungsaustausch in der Arbeit als Integrationslotsin und Bedarfsabfrage

  2. Fachlicher Input „Rechtliche Grundlagen der gelingenden Integrationsarbeit“

  3. „Rollenverständnis Ehrenamt – Chancen und Grenzen eines erfolgreichen Engagements“

  4. „Interkulturelle Sensibilisierung / Handlungskompetenz in interkultureller Interaktion“

  5. „Erfolgreich Netzwerken auf lokaler und regionaler Ebene“

Im Nachgang der ersten Veranstaltung zeigte sich, dass die Vorauswahl der Themenschwerpunkte auf allgemeine Zustimmung stieß. Konkrete fachliche Fragen wurden in die Planung der einzelnen fachlichen Schwerpunkte eingebaut und somit die Weiterbildungsreihe inhaltlich noch besser den Bedarfen der Integrationslots_innen angepasst.


Erste Rückmeldungen Erste Rückmeldungen von der Auftaktveranstaltung

In einer ersten Auswertung wurde deutlich, dass in der Begleitung und Erstberatung von Geflüchteten vor allem Informationen zu rechtlichen Grundlagen und Fragen zum Ablauf des Asylverfahrens einen wichtigen Bedarf für die Integrationslots_innen darstellen. Um diesem Umstand Rechnung zu tragen, wurden für den ersten Teil zum Thema rechtliche Grundlagen sowohl ein Vertreter der Ausländerbehörde des Landkreises Anhalt-Bitterfeld als auch eine Referentin aus der Zivilgesellschaft für diesen Bereich als Expert_innen in die Fortbildung einbezogen. Wie bereits erwähnt, konnte hierfür die Projektleiterin des AMIF-Projekts des Flüchtlingsrat Sachsen-Anhalt e. V. (FLRSA), einem Mitgliedsverein der Auslandsgesellschaft Sachsen-Anhalt e. V. (AGSA), gewonnen werden.

Hierdurch konnte die Perspektive der Geflüchteten in der Fortbildung dargestellt werden. Der FLRSA setzt sich für die Anerkennung der Rechte von Geflüchteten und die Verbesserung ihrer Lebenssituation ein. Viele Ehrenamtliche sind in ihrer täglichen Arbeit mit konkreten ausländerrechtlichen Fragen konfrontiert. Der FLRSA analysiert die Gesetze und Praxis der bundesdeutschen Asylpolitik.

Bei der Fortbildung Rechtliche Grundlagen der gelingenden Integrationsarbeit wurden aktuelle Zahlen zum Thema Flucht und Asyl in Deutschland vorgestellt und aufenthaltsrechtliche Fragen der Ehrenamtlichen im Bereich Asylanerkennungsverfahren geklärt. Themen aus dem Bereich Bleiberecht, Unterbringung von Flüchtlingen sowie der Zugang zu staatlichen Leistung wurden genauso diskutiert wie gesellschaftliche Teilhabe, strukturelle Diskriminierung und Rassismus.

Das Diversity Journal hat mit Stefanie Mürbe, Projektleiterin des Flüchtlingsrats Sachsen-Anhalt e. V., welche gemeinsam mit den Mitarbeitenden des IKOE-Projekts die Weiterbildung am 15.10.2016 durchführte, über die vermittelten Inhalte und Schwerpunkte des Seminars gesprochen.


Interview mit Stefanie MürbeFrau Mürbe, im Bereich der Flüchtlingshilfe vernetzen Sie in Sachsen-Anhalt zentrale Akteure und bereiten fachliche Informationen für die jeweiligen Verantwortlichen auf. Dabei geht es Ihnen in Ihrer Arbeit auch immer wieder um einen kritischen Blick aus der Betroffenenperspektive. Zuletzt waren Sie an einer Weiterbildungsreihe für ehrenamtliche Integrationslots_innen beteiligt. Welche inhaltlichen Schwerpunkte haben Sie im Rahmen der Weiterbildungsreihe für ehrenamtliche Integrationslots_innen im Landkreis Anhalt-Bitterfeld vermittelt und warum?

Stefanie Mürbe

Es ging zunächst darum, einen Überblick zum Ablauf des Asylverfahrens und den Entscheidungsmöglichkeiten des Bundesamtes für Migration und Geflüchtete zu vermitteln. Für die Arbeit der Integrationslots_innen ist besonders wichtig, was aus den Entscheidungen folgt und wie sie die Geflüchteten dementsprechend unterstützen können. Denn bei einer Ablehnung des Asylantrags muss ganz anders reagiert werden als bei einer Anerkennung des Flüchtlingsschutzes. Weiterhin beschäftigt im Moment viele Integrationslots_innen, dass Syrer_innen nur noch subsidiären Schutz bekommen und damit ihre Familie nicht nachholen können. Aufgrund der unzähligen Änderungen beim Asylrecht wie auch der alltäglichen Probleme mit Verwaltung und Behörden hatten die Integrationslots_innen viele Fragen, die im Rahmen des Workshops besprochen werden konnten.

Welche Erfahrungen haben Sie im Rahmen der Zusammenarbeit mit ehrenamtlichen Integrationslots_innen bisher gemacht?

Stefanie Mürbe

Ich erlebe die Integrationslots_innen sehr engagiert und ausdauernd. Ich habe großen Respekt dafür, mit welcher Hartnäckigkeit sie einzelne Personen bzw. Familien unterstützen. Leider begegnen den Integrationslots_innen in ihrer Arbeit viele Hürden durch Gesetze, Bürokratie und Versorgungslücken. Wie bei allen ehrenamtlich Engagierten ist wohl auch für Integrationslots_innen das größte Problem der aufwendige Umgang mit der Verwaltung. Das hat dann unterschiedliche Konsequenzen: Während sich die einen aus Frustration zurückziehen, kämpfen die anderen umso mehr für den Einzelfall.

Welche Unterstützungsmöglichkeiten bieten Sie den ehrenamtlich Engagierten im Rahmen der Tätigkeiten als Flüchtlingsrat Sachsen-Anhalt e. V.

Stefanie Mürbe

Die Unterstützung reicht von niedrigschwelligen Auskünften bis hin zu Workshop Angeboten wie bei dieser Weiterbildungsreihe. Die Integrationslots_innen können sich bei Fragen oder Problemen jederzeit an uns wenden. Entweder vermitteln wir zu den passenden Beratungsstellen, Anwält_innen oder sonstigen Anlaufstellen oder wir können die Fragen direkt beantworten. Auf unserer Website, über den Verteiler und Newsletter stellen wir wichtige Informationen zur Verfügung. Gegebenenfalls können wir bei besonderen Problemlagen direkt unterstützen. Dann wenden wir uns an die zuständigen Stellen im Land bzw. Landkreis sowie den Integrationskoordinator_innen und suchen gemeinsam nach einer Lösung.

Welche Formen der Anerkennung und Unterstützung wünschen Sie sich für ehrenamtlich Engagierte von Seiten der kommunalen Verwaltungen?

Stefanie Mürbe

Grundlage für eine gute Zusammenarbeit ist zunächst eine gute Kommunikation zwischen Haupt- und Ehrenamtlichen. Kommunale Angebote zur Stärkung und Vernetzung der Ehrenamtlichen sind eine wichtige Unterstützung Allerdings muss die kommunale Verwaltung den Eigensinn ehrenamtlichen Engagements anerkennen. Ehrenamtliches Engagement darf nicht zum Lückenfüller werden. Wir beobachten seit einiger Zeit mit Sorge, dass staatliche Pflichtaufgaben dem Ehrenamt überlassen werden. Diese Entwicklung ist für alle Seiten von Nachteil. Ehrenamtliche sind zum Teil überfordert und fühlen sich allein gelassen. Die kommunale Verwaltung muss sich aktiv für die Interkulturelle Öffnung, den Abbau bürokratischer Hürden und die Erfüllung staatlicher Pflichtaufgaben einsetzen.

Vielen Dank für das Interview!




Interkulturelle SensibilisierungInterkulturelle Sensibilisierung - Handlungskompetenzen in interkultureller Interaktion

Aufgrund der Diskussionen und Erfahrungen aus den ersten beiden Veranstaltungen ergab sich eine Verschiebung des Schwerpunkts Rollenverständnis ans Ende der Weiterbildungsreihe, um der Diskussion über interkulturelle Interaktion einen größeren Raum einzuräumen. Bereits in ersten Gesprächen wurde deutlich, dass die Entwicklung eines Verständnisses von Unterstützungs- und Begleitprozessen von Geflüchteten für eine erfolgreiche (Zusammen)Arbeit wichtig ist. Gerade das Vertrauen zwischen ehrenamtlichen Integrationslots_innen und den Geflüchteten bietet die Basis für erfolgreiche Integrationsprozesse.

Zu Beginn der Tätigkeit war ein Teil der Integrationslots_innen darauf bedacht die Geflüchteten in konkrete Engagement- und Arbeitsverhältnisse zu vermitteln. Andere Integrationslots_innen fokussierten im ersten Schritt auf die Unterstützung von Erstorientierungsprozessen. Allen gemeinsam war die persönliche Begleitung bei Behördengängen. In den Austausch- und Diskussionsrunden wurde klar, dass es keine einfachen Handlungsleitlinien für interkulturelle Interaktionen gibt. Vielmehr ist es eine Frage der eigenen Haltung wie emphatisch und offen die Integrationslots_innen ihren Klienten gegenüber treten. Die Stärke von interkultureller Sensibilität zeigt sich vor allem in dem Aushalten von Irritationsprozessen, dem Nachfragen, Zuhören und Anerkennen von individuellen Problemlagen.

Rückblick und AusblickRückblick auf die bisherige Tätigkeiten und Ausblick 2017

Am Ende der Weiterbildungsreihe in 2016 stand deshalb eine erste Reflexion des bisherigen Prozesses mit anschließendem gemeinsamen Besuch des Weihnachtsmarktes der Landeshauptstadt Magdeburg. In informeller Runde war fernab der alltäglichen Problemlagen ein Raum für lockeres Gespräch und persönlichen Austausch möglich. Die Rückmeldungen der Teilnehmenden waren dabei bisher überwältigend positiv. Abzuwarten bleibt mit Blick auf eine mittel- und langfristige Zusammenarbeit der Transfer der Ergebnisse sowie die Weiterentwicklung des offenen Netzwerkes. Nicht zuletzt aus dieser Motivation wurde das Thema Erfolgreich Netzwerken – auf lokaler und regionaler Ebene für das Ende der Weiterbildungsreihe angedacht.

Perspektive IntegrationslotsenPerspektive Integrationslotsen: Hürden, Chancen/Möglichkeiten und „Eure Rolle“/Haltung

In einer selbstreflektierenden Arbeit wurden die Integrationslots_innen gebeten Hürden, Chancen/Möglichkeiten und „Eure Rolle“/Haltung zu benennen. Viele Aspekte decken sich mit der Wahrnehmung der Integrationskoordinatoren. Um einige Hürden hierbei zu nennen: Sprachdefizit, eigener Zeitfaktor und Bürokratie.
Es bleibt jedoch ermutigend, dass Geduld, Stolz, Menschlichkeit und Freude/Glück genannt wurden. Diese Motivationen wollen wir als Projekt IKOE gezielt unterstützen.

Als Projekt IKOE haben wir den neuen thematischen Schwerpunkt Haupt- und Ehrenamt in unseren Fortbildungs- und Beratungsservice mit aufgenommen. Wir bieten nun zusammen mit dem Multikulturellem Zentraum Dessau e.V. ab Mai 2017 eine weitere fünfteilige Weiterbildungsreihe für Integrationslots_innen an.
Die hohe Nachfrage zu diesem Themenbereich hat uns auch dazu veranlasst, diesen thematischen Schwerpunkt in unseren IKOE Fachtag am 28. September 2017 mit aufzunehmen und hier konzeptionell mit weitern Partnern wie u.a. LAMSA und DAA über eine gelingende Weiterbildungsreihe zu Ehrenamt zu diskutieren.

Rückblickend auf die zwei geführten Interviews im Rahmen dieses Diversity Journal ist und bleibt eine zentrale Schlüsselfrage – was definiert eine erfolgreiche Weiterbildungsreihe in einer beteiligungsorientierten Verwaltung? Frau Stefanie Mürbe erwähnte in Ihrem Interview, dass Integrationslots_innen eine Plattform für Austausch brauchen. Einen Schritt weiterzugehen wäre nun zu fragen: Wie kann der institutionalisierte Austausch seitens der Integrationslots_innen die Zusammenarbeit untereinander und mit der Verwaltung beteiligungsorientierter gestalten? Und wie kann im Gegenzug sich die Verwaltung beteiligungsorientierter gegenüber dem Ehrenamt öffnen?

Das Projekt IKOE kann in dieser wechselseitigen Beziehung und in dem Prozess Interkultureller Öffnung einen Beitrag dafür leisten, dass sowohl inhaltliche Schwerpunkte im Bereich interkulturelle Kompetenz gestärkt werden und zugleich die Verwaltung darin unterstützt wird, sich bürgernah zu orientieren und am Austausch zu beteiligen.

 

Imprint


Konzeption & Text: Team IKOE (M. Krumbholz, K. Michalak)
Gestaltung, Umsetzung & Programmierung: Oliver Bunke, Oligoform GBR

Erscheinungsdatum: Dezember 2016 (Ausgabe 4)
Erscheinungsweise: Quartalsweise
Seriennummer: Diversity Journal 4|2016
ViSdP: Auslandsgesellschaft Sachsen-Anhalt e. V.: Netzwerk Interkulturelle Orientierung / Öffnung – Fortbildungs- und Beratungsservice für Verwaltungen

Sämtliche Rechte an Text, Bild & Gestaltung liegen bei der Auslandsgesellschaft Sachsen-Anhalt e. V.: Netzwerk Interkulturelle Orientierung / Öffnung – Fortbildungs- und Beratungsservice für Verwaltungen, Servicestelle IKOE

Bildrechte:
Team IKOE (M. Krumbholz, K. Michalak)

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